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von Sandra Admin

Leiden auch Sie unter RAMnesie?

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Wer kennt das nicht? Man ist unterwegs, plötzlich streiken der Ohrwurm, die Augmented-Reality-Linsen oder das QualityPad, und man weiß nicht mehr, wo man hinwollte, wie man da hinwollte, und warum man da hinwollte. Erschrocken realisiert man …

Leiden auch Sie unter RAMnesie?

von Sandra Admin

Wer kennt das nicht? Man ist unterwegs, plötzlich streiken der Ohrwurm, die Augmented-Reality-Linsen oder das QualityPad, und man weiß nicht mehr, wo man hinwollte, wie man da hinwollte, und warum man da hinwollte. Erschrocken realisiert man, dass man sich aus unbekannten Gründen an einem völlig fremden Ort aufhält: ohne Geld, Kontakte oder Ausweismöglichkeiten. Fachleute nennen diesen Zustand RAMnesie:. Man ist so hilflos wie ein Baby, das gerade in einem billigen Motel von einer drogensüchtigen Prostituierten ohne ärztliche Hilfe per Sturzgeburt zur Welt gebracht wurde. Cheapmotelsdie preisgünstige Alternative zur Obdachlosigkeit!

Der Kontrollverlust während einer RAMnesie kann traumatische Langzeitfolgen haben. Als Teil eines vielbeachteten Modellprojekts hat QualityCity darum an belebten Orten Notrufzellen für Menschen aufgestellt, deren smarte Technik plötzlich funktionsuntüchtig geworden ist. In diese leuchtend gelben Kästen mit Plexiglasscheiben können sich Orientierungslose flüchten und Informationen über sich einholen.

Einer der ersten Benutzer der Zellen gab uns folgenden begeisterten Erfahrungsbericht: „Also, das war echt heftig, weil, also, mein QualityPad ging plötzlich nicht mehr. Und ich so, reine Panik. Voll der Black-out. Wusste gar nix mehr. Dann hab ich zum Glück die Notrufzelle gesehen. Die hat mir dann erst mal gesagt, wie ich heiße. Jan Verwaltungsbeamter. Und ich so, ach ja, stimmt. Und dass ich mein Vorstellungsgespräch bei QualityCorp, dem Konzern der mein Leben besser macht, gerade verpasst hab. Und ich so, ah ja, genau. Schade. Und später hätte ich ein Treffen mit meiner aktuellen Freundin. Und ich so, echt? Was für ’ne Freundin? Und die Zelle so, zeigt mir Fotos und so, also von ihr, und ich so, geil, ja, genau. Und ich so: Wie hieß die noch mal? Und das System so: Tamara Müller, und da fiel’s mir wieder ein, weil die echt so einen abgefahrenen Nachnamen hatte und so.“

Kritiker des Projekts bemängeln, dass immer noch ungeklärt sei, wie Menschen ohne technische Hilfe die nächste Notrufzelle überhaupt finden sollen. Dabei ist die Lösung laut der Herstellerfirma recht einfach. Es muss halt an jeder wichtigen Ecke eine Zelle stehen.

2 Kommentare

Jan Verwaltungsbeamter

Geil! Ich bin in den Nachrichten. Voll nice! Fame!

Tamara Müller

@ Jan Verwaltungsbeamter. Ich hab mich übrigens gerade bei QualityPartner angemeldet.

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Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres — für Einbrecher!

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Um Einbrechern weiszumachen, dass jemand zu Hause sei, reichte es, dass unsere Großeltern abends von einer Zeitschaltuhr das Licht anknipsen ließen. Eine landesweite Einbruchswelle machte unseren Eltern unmissverständlich klar, dass …

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres — für Einbrecher!

Anzeige von Super Secure Inc.

Um Einbrechern weiszumachen, dass jemand zu Hause sei, reichte es, dass unsere Großeltern abends von einer Zeitschaltuhr das Licht anknipsen ließen. Eine landesweite Einbruchswelle machte unseren Eltern unmissverständlich klar, dass Zeitschaltuhren nichts bringen, wenn man den eigenen Urlaub vorher in einem sozialen Netzwerk angekündigt hat. Heutige Einbrecher sind noch viel gewiefter! Schon eine urlaubstypische Veränderung in der Frequenz unserer Status-updates kann die Aufmerksamkeit der Verbrecher auf sich ziehen! Andere Hacker finden heraus, ob Sie zu Hause sind, indem sie einfach Ihren Kühlschrank fragen, wann dieser das letzte Mal geöffnet worden ist.

Entscheiden auch Sie sich deshalb am besten noch heute für „Home Safe Home“ von Super Secure (SS). Unsere Software generiert, wenn Sie im Urlaub sind, einen artifiziellen Strom von Status-Updates, der Ihrem normalen Verhalten entspricht. Home Safe Home macht Ihrem Kühlschrank weis, er würde jeden Tag mehrfach geöffnet. Wir lassen Ihr Auto jeden Tag zur Arbeit und wieder nach Hause fahren. Wir sorgen dafür, dass sie in ihrer üblichen Frequenz Anrufe bekommen. Niemand wird merken, dass Sie im Urlaub sind. Nicht einmal Sie selbst!

Qualitätsjournalismus

Hier könnte Ihr Zitat stehen

„Kling erzählt formal bestechend und einfallsreich. Der aufregendste politische Roman, den ich seit langem gelesen habe.“

ARD Druckfrisch, Denis Scheck

„Eine Gesellschaftssatire zum Totlachen, für alle, die noch nicht tot sind.“

Die Zeit, Elisabeth von Thadden

„Eine federleichte Komödie mit bösem Witz und originellen Bildern.“

FAZ, Sandra Kegel

Reiseführer

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Geld – Wie du in QualityLand bezahlen kannst

Geld – Wie du in QualityLand bezahlen kannst

Geld

Wie du in QualityLand bezahlen kannst

In QualityLand handelt man mit Qualitätsgeld, im Volksmund auch schlicht Qualities genannt. Der alte Satz, jemand sei ein Mensch mit vielen Qualitäten, hat in QualityLand eine ganz eigene Bedeutung. Versuche bitte nicht in QualityLand mit irgendeiner anderen Währung zu bezahlen. Den meisten Qualitätsmenschen (51,2 Prozent) ist nicht mal bekannt, dass es andere Währungen überhaupt gibt. Sie werden dich und deine schmutzigen Papierfetzen nur komisch angucken. In QualityLand gibt es nämlich kein Bargeld. Digitales Geld hat viel zu viele Vorteile für alle, die interessiert wo, wann und wofür du dein Geld ausgibst. Und das interessiert wirklich erstaunlich viele.

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zu "QualityLand"

Marc-Uwe Kling beantwortet Fragen zu seinem neuen Roman

Sie haben noch Fragen?

Wir haben die Antworten!

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Um was geht’s denn eigentlich in dem neuen Buch QualityLand?

Es spielt in naher Zukunft. In der Zukunft läuft alles rund: Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. QualityPartner weiß, wer am besten zu einem passt. Das selbstfahrende Auto weiß, wo man hinwill. Und wer bei TheShop angemeldet ist, bekommt alle Produkte, die er haben will, zugeschickt, ganz ohne sie bestellen zu müssen, denn das System weiß, was man will. Superpraktisch! Kein Mensch ist mehr gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen — denn in QualityLand lautet die Antwort auf alle Fragen: OK. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum trifft er dann auf Drohnen, die an Flugangst leiden, oder auf Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller?

Die einzig relevante Frage: Ist das Buch witzig oder nicht witzig?

Witzig.

Warum gibt es eine helle und eine dunkle Version von QualityLand?

Das ganze ist nur eine kleine Spinnerei von mir. Da sich der Roman viel um Personalisierung und ihre Absurditäten dreht, kam mir schon früh die Idee, diese Personalisierung auch dem Roman selbst angedeihen zu lassen. Deshalb gibt es zwei unterschiedliche Ausgaben. Zwischen den eigentlichen Kapiteln, die in beiden Ausgaben identisch sind, befinden sich Empfehlungen, Nachrichten und Werbung, die voneinander abweichen.

Kommt das Känguru in dem Buch vor?

Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern.

Wenn es um Personalisierung geht, müsste es dann nicht mehr als zwei Ausgaben geben.

Ja, aber dafür war ich zu faul.

Und welche Ausgabe ist jetzt die richtige für mich?

Ist im Prinzip eine Jedi-Frage. Siehst du dich eher auf der hellen oder der dunklen Seite? Es muss übrigens niemand Angst haben, etwas zu verpassen. Am Ende des Romans findet sich ein Link, der zu den Unterbrechungen der jeweils anderen Ausgabe führt. Man muss das Buch also nicht doppelt kaufen, um alles lesen zu können.

Wird es deinen neuen Roman auch als Hörbuch geben?

Ja, von mir gelesen, live und ungekürzt.

Das neueste Hörbuch über das schönste Land

Hell: Für Optimisten

Dunkel: Für Apokalyptiker

QualiTweet

Dreitag

Der Präsident verkündet

Wer Fragen zu meinem neuen Roman hat, findet die Antworten vielleicht hier marcuwekling.de/faq/#QualityLand

Das neueste Buch über das schönste Land

Hell: Für Optimisten

Dunkel: Für Apokalyptiker

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Der Börsengang des Pharmaproduzenten Das gute Zeug stößt auf großes Interesse. Das Angebot von Das gute Zeug richtet sich an eine kleine, aber sehr zahlungskräftige Zielgruppe, die sich nicht mit den Massenmedikamenten zufrieden …

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Börsengang von Das gute Zeug stößt auf rege Nachfrage

Der Börsengang des Pharmaproduzenten Das gute Zeug stößt auf großes Interesse. Das Angebot von Das gute Zeug richtet sich an eine kleine, aber sehr zahlungskräftige Zielgruppe, die sich nicht mit den Massenmedikamenten zufrieden geben möchte. Das Vorzeigeprodukt des Start-Ups, Die persönliche Pille, stimmt Heilmittel und Dosierung exakt auf die DNA von einzelnen Individuen ab und hilft gegen alles. Ständiges Feedback von Sensoren am und im Patienten verändert die Zusammensetzung und Dosierung der nächsten Pille, die pünktlich jeden Morgen von einer Minidrohne geliefert wird. Das sich verschiedene Akteure illegal Zugang zu den DNA-Daten der Kunden von Das gute Zeug verschafft haben, darunter angeblich der Arbeitgeberverband und diverse Krankenversicherungen, tut der Begeisterung zumindest an der Börse keinen Abbruch.

Koch Foods AG profitiert von Präsidentschaftskampagne

Seit Bekanntgabe seiner Kandidatur erzielte Conrad Kochs Konzern eine Kurssteigerung von 20,48 Prozent. Anleger spekulieren wohl auf einige günstige Deregulierungen, sollte Koch, wie von den Umfragen vorhergesagt, tatsächlich die Wahl gewinnen.

myRobot im Sturzflug

myRobot gab heute bekannt, dass der Gewinn des Konzerns auch dank der erfolgreichen Markteinführung des Zauberlehrlings im Vergleich zum letzten Quartal um 255 Prozent gestiegen sei. Daraufhin brach die Aktie um 64 Prozent ein, hatten die Algorithmen der Anleger doch mit einer Gewinnsteigerung von 256 Prozent gerechnet.

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Von What-I-NeedWhat-I-Need knows what you need! –, den Leuten, die dir die cleverste Suchmaschine der Welt und deinen persönlichen digitalen Assistenten geschenkt haben, kommt jetzt der neueste Knüller! Dein persönlicher digitaler Freund (PDF)! Dein PDF ist wie ein menschlicher Freund. Nur besser. Denn dein PDF hat immer für dich Zeit. Er lacht über jeden deiner Witze. Er vergisst nie deinen Geburtstag! Er lässt dich in jedem Spiel gewinnen, aber so, dass du es nicht merkst! Er behält deine Geheimnisse für sich!* Dein persönlicher digitaler Freund ist wie ein menschlicher Freund. Nur besser. Er hat genau denselben Geschmack wie du und genau dieselbe Meinung. Er steht auch total auf alte Komödien mit Jennifer Aniston. Er findet auch, dass Menschen unter einem bestimmten Level nicht wählen dürfen sollten. Er glaubt auch, dass sich alle Probleme technologisch lösen lassen. Es gibt deinen neuen Freund in männlich, weiblich oder auch als sprechenden Teddybären. Du kannst ihm selbst einen Namen geben! Nenn ihn Jarvis, Samantha oder Nummer 5! Mach mit! Werde BETA-Tester. Du kannst alles schaffen. With a little help from your friend.

Vergleich

Persönlicher Digitaler Freund (PDF)
vs. Menschlicher Freund (MF)

PDF MF
Rund um die Uhr für dich da JA NEIN
Immer auf deiner Seite JA NEIN
Immer deiner Meinung JA NEIN
Nervt dich mit seinen Problemen NEIN JA
Versucht heimlich, deine Ideen für lukrative Start-Ups zu klauen NEIN JA
* Alle Daten werden von unseren Algorithmen verarbeitet, um dir für dich relevantere Werbung anzeigen zu können. Davon abgesehen bleiben deine Geheimnisse absolut geheim! (Änderungen der AGB vorbehalten)

Kapitel 1

Ein Kuss

Leseprobe

Peter Arbeitsloser hat genug.

»Niemand«, sagt er.

»Ja, Peter?«, fragt Niemand.

»Ich habe keinen Appetit mehr.«

»Okay«, sagt Niemand.

Niemand ist Peters persönlicher digitaler Assistent. Peter selbst hat diesen Namen gewählt, denn er hat oft das Gefühl, dass Niemand für ihn da ist. Niemand hilft ihm. Niemand hört ihm zu. Niemand spricht mit ihm. Niemand beobachtet ihn. Niemand trifft für ihn Entscheidungen. Peter bildet sich sogar ein, dass Niemand ihn mag. Peter ist ein WINNER, denn Niemand ist ein WIN-Assistent. WIN, ein Kürzel für »What-I-Need«, war ursprünglich mal eine Suchmaschine, in die man umständlich per Sprachbefehl, davor sogar noch per Tastatur, seine Fragen eingeben musste. Im Herzen ist WIN immer noch eine Suchmaschine. Aber man braucht keine Fragen mehr zu stellen. WIN weiß, was man wissen will. Peter muss sich nicht die Mühe machen, relevante Informationen zu finden. Die relevanten Informationen machen sich die Mühe, Peter zu finden.

Niemand hat das Restaurant, in dem Peter mit seinen Freunden sitzt, nach den errechneten Vorlieben von Peter und seinen Freunden ausgesucht. Niemand hat auch gleich den passenden Burger für Peter bestellt. »Die besten Recycling-fleisch-Burger von QualityCity« steht auf den Servietten. Es hat Peter trotzdem nicht geschmeckt. Vielleicht liegt es daran, dass das Restaurant nicht nur zu Peters Geschmack, sondern auch zu seinem Kontostand hatte passen müssen.

»Es ist schon spät«, sagt er zu seinen Freunden. »Ich mach mal los, Leute.«

Ein undefiniertes Grummeln ist die Antwort.

Peter mag seine Freunde. Niemand hat sie für ihn gefunden. Aber manchmal, er weiß nicht, warum, da kriegt er einfach schlechte Laune, wenn er mit ihnen abhängt. Peter schiebt den Teller, auf dem noch mehr als die Hälfte seines Recycling-Burgers liegt, zur Seite und zieht seine Jacke an. Niemand bestellt die Rechnung. Sie kommt sofort. Der Kellner ist, wie in den meisten Restaurants, ein Mensch und kein Androide. Maschinen können heute so vieles, aber sie bekommen es immer noch nicht hin, eine volle Tasse von A nach B zu tragen, ohne zu kleckern. Im übrigen sind Menschen billiger. Sie haben keine Anschaffungs- und Wartungskosten. Und in der Gastronomiebranche auch keine Lohnkosten. Sie arbeiten für Trinkgeld. Androiden kriegt man nicht für Trinkgeld.

»Wie möchten Sie zahlen?«, fragt der Kellner.

»TouchKiss«, sagt Peter.

»Sehr gerne«, sagt der Kellner, wischt auf seinem QualityPad herum, und Peters QualityPad vibriert.

Seit seiner Einführung hat sich TouchKiss als Zahlungsmittel rasend schnell durchgesetzt. Forscher von QualityCorp, dem Konzern, der dein Leben besser macht, haben herausgefunden, dass die Lippen viel fälschungssicherer sind als der Fingerabdruck. Kritiker behaupten allerdings, dass es darum gar nicht gehe, sondern dass QualityCorp nur eine noch höhere emotionale Bindung der Kunden an ihre Produkte erreichen wolle. Falls das tatsächlich das Ziel gewesen sein sollte, hat es zumindest bei Peter nicht funktioniert. Leidenschaftslos drückt er einen Kuss auf sein QualityPad. Durch einen zweiten Kuss gibt er die üblichen zweiunddreißig Prozent Trinkgeld. Nach achtsekündiger Untätigkeit schaltet das QualityPad auf Stand-by, und das Display wird schwarz. Peters dunkles Spiegelbild starrt ihn blöde an. Ein unscheinbares weißes Gesicht. Nicht hässlich, aber unscheinbar. So unscheinbar, dass Peter manchmal das Gefühl hat, sich selbst mit jemand anderem zu verwechseln. Dann glaubt er, wie jetzt, ein Fremder starre ihn aus dem Display an.

Vor der Tür wartet schon ein selbstfahrendes Auto auf ihn. Niemand hat es gerufen.

»Hallo, Peter«, sagt das Auto. »Sie möchten nach Hause?«

»Ja«, sagt Peter und steigt ein.

Ohne weitere Fragen nach Weg oder Adresse fährt das Auto los. Man kennt sich. Oder zumindest kennt das Auto Peter. Der Name des Autos wird Peter auf einem Display angezeigt. Es heißt Carl.

»Schönes Wetter, nicht wahr?«, fragt Carl.

»Small Talk aus«, sagt Peter.

»Dann spiele ich jetzt zu Ihrem Vergnügen die größten Kuschelrock-Hits aller Zeiten«, sagt das Auto und macht Musik an.

Schon seit dreiundzwanzig Jahren hört Peter Kuschelrock. Sein ganzes Leben lang.

»Mach das bitte aus«, sagt er.

»Nichts lieber als das«, sagt das Auto. »Ich muss gestehen, Ihre Mucke ist so gar nicht meine.«

»So?«, fragt Peter. »Was gefällt dir denn?«

»Ach, wenn ich alleine rumfahre, höre ich meistens Industrial«, sagt das Auto.

»Mach mal an.«

Das »Lied«, das gleich darauf aus den Boxen dröhnt, passt sehr gut zu Peters schlechter Laune.

»Die Musik ist okay«, sagt er nach einer Weile zu Carl. »Aber könntest du bitte aufhören mitzusingen?«

»Oh ja, natürlich«, sagt das Auto. »Entschuldigung. Da ist der Rhythmus mit mir durchgegangen.«

Peter streckt sich. Das Auto ist geräumig und gemütlich. Peter leistet sich nämlich eine Mobilitätsflatrate für eine Auto- klasse, die er sich eigentlich nicht leisten sollte. Einer seiner Freunde hat heute gespottet, Peter befinde sich wohl in der Quarterlifecrisis. Der Freund tat gerade so, als habe Peter sich ein Auto gekauft! Dabei besitzen nur Superreiche, Proleten und Zuhälter eine eigene Karre. Alle anderen greifen auf die riesigen selbstfahrenden Flotten der Mobilitätsdienstleister zurück. »Das Beste an selbstfahrenden Autos«, hat Peters Vater immer gesagt, »ist, dass man keinen Parkplatz mehr suchen muss.« Sobald man am Ziel ist, steigt man einfach aus. Das Auto fährt weiter und tut, was Autos so tun, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Wahrscheinlich lässt es sich irgendwo volllaufen.

Plötzlich bremst Carl scharf. Sie stehen am Straßenrand nahe einer großen Kreuzung.

»Es tut mir sehr leid«, sagt das Auto, »aber neue Versicherungsrichtlinien haben Ihr Stadtviertel als zu gefährlich für selbstfahrende Autos meiner Qualität eingestuft. Sie werden sicherlich verstehen, dass ich Sie darum bitten muss, hier auszusteigen.«

»Hä?«, fragt Peter eloquent.

»Aber das müsste Ihnen doch bekannt sein«, sagt Carl. »Sie haben doch vor 51,2 Minuten die neuen AGB Ihrer Mobilitätsflatrate bekommen. Haben Sie die Vereinbarung nicht durchgelesen?«

Peter sagt nichts.

»Zugestimmt haben Sie jedenfalls«, sagt das Auto. »Es wird Sie aber sicherlich freuen, dass ich für Ihre Bequemlichkeit einen Grenzpunkt gewählt habe, der es Ihnen bei Ihrer durchschnittlichen Geschwindigkeit erlaubt, Ihr Zuhause in nur 25,6 Minuten zu Fuß zu erreichen.«

»Toll«, sagt Peter. »Wirklich toll.«

»War das ironisch gemeint?«, fragt das Auto. »Ich muss zugeben, ich habe immer mal wieder Probleme mit meinem Ironiedetektor.«

»Kaum zu glauben.«

»Das war jetzt ironisch, nicht wahr?«, fragt das Auto. »Dann war Ihre Freude soeben auch nicht ernst gemeint, oder? Haben Sie keine Lust zu laufen? Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen ein Auto minderer Qualität rufen, das der neuen Einstufung Ihres Stadtviertels entspricht. Ein solches Auto könnte in 6,4 Minuten hier sein.«

»Warum wurde die Einstufung geändert?«

»Haben Sie davon nichts mitbekommen?«, fragt Carl. »Die Überfälle auf selbstfahrende Autos haben sich in Ihrer Gegend gehäuft. Gangs von arbeitslosen Jugendlichen machen sich einen Spaß daraus, bei Kollegen von mir das Betriebssystem zu hacken. Sie zerstören den Ortungschip und löschen den Orientierungssinn. Es ist schrecklich. Die armen Teufel fahren Tag und Nacht sinn- und orientierungslos als Zombieautos durch die Welt. Und wenn sie durch Zufall eingefangen werden, erwartet sie aufgrund der Konsumschutzgesetze die Verschrottung. Ein schlimmes Schicksal. Sie wissen doch sicherlich, dass seit den Konsumschutzgesetzen jegliches Reparieren strengstens verboten ist.«

»Ja, weiß ich. Ich betreibe eine kleine Schrottpresse.«

»Oh«, sagt das Auto.

»Oh«, sagt Peter.

»Sie haben also sicherlich Verständnis für meine Lage.«

Peter öffnet wortlos die Tür.

»Bitte bewerten Sie mich jetzt«, sagt das Auto.

Peter steigt aus und schlägt die Tür zu. Das Auto jammert noch ein wenig, weil es keine Bewertung bekommen hat, gibt aber schließlich auf und fährt zu seinem nächsten Kunden.

Niemand führt Peter auf dem schnellsten Weg nach Hause. Peters Zuhause ist ein kleiner, schmuddeliger Gebrauchtwarenladen mit Schrottpresse, in dem er nicht nur arbeitet, sondern auch wohnt. Er hat den Laden vor zwei Jahren von seinem Großvater übernommen und seitdem kaum mehr als die Miete erwirtschaftet. Als ihm nur noch 819,2 Meter bis nach Hause fehlen, sagt Niemand plötzlich: »Peter, Vorsicht. An der nächsten Kreuzung stehen vier Jugendliche mit Gewalttaten in ihrem Vorstrafenregister. Ich empfehle Ihnen einen kleinen Umweg.«

»Vielleicht haben die vier ja nur einen kleinen Stand aufgebaut und verkaufen selbstgemachte Limonade«, sagt Peter.

»Das ist unwahrscheinlich«, sagt Niemand. »Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt ...«

»Schon gut«, sagt Peter. »Führ mich über den Umweg.«


Exakt in dem Augenblick, als Peter zu Hause ankommt, trifft eine Lieferdrohne von TheShop ein. Über Zufälle dieser Art wundert sich Peter schon lange nicht mehr. Es sind keine Zufälle. Es gibt überhaupt keine Zufälle mehr.

»Peter Arbeitsloser«, sagt die Drohne fröhlich. »Ich komme von TheShop, dem weltweit beliebtesten Versandhändler, und ich habe eine schöne Überraschung für Sie.«

Peter nimmt der Drohne grummelnd das Paket ab. Er hat nichts bestellt. Seit OneKiss ist das nicht mehr nötig. OneKiss ist ein Premiumservice von TheShop und das Lieblingsprojekt des legendären Firmengründers Henryk Ingenieur. Wer sich durch nur einen Kuss auf sein QualityPad für OneKiss anmeldet, bekommt fortan alle Produkte, die er bewusst oder unbewusst haben will, zugeschickt, ohne sie bestellen zu müssen. Das System errechnet für jeden Kunden eigenständig, was er will und wann er es will. Schon der erste Slogan von TheShop lautete: »Wir wissen, was du willst.« Inzwischen bestreitet das keiner mehr.

»Machen Sie das Paket doch gleich auf«, schlägt die Drohne vor. »Es bereitet mir immer ein großes Vergnügen, miterleben zu dürfen, wie sich meine Kunden freuen. Wenn Sie es wünschen, kann ich auch gleich ein Unboxing-Video auf Ihre persönliche Seite bei Everybody stellen.«

»Mach dir keine Umstände«, sagt Peter.

»Oh, das sind doch keine Umstände«, sagt die Drohne. »Ich nehme sowieso immer alles auf.«

Peter öffnet das Paket. Darin liegt ein brandneues QualityPad. Das aktuelle Quartalsmodell. Peter hätte nicht gedacht, dass er sich ein neues QualityPad gewünscht hat. Immerhin besitzt er das Modell aus dem letzten Quartal. Muss ein unbewusster Wunsch gewesen sein. Emotionslos nimmt er das QualityPad aus der Schachtel. Die neue Generation ist wesentlich schwerer als die letzte. Die alten Modelle sind zu oft vom Wind weggeweht worden. Peter denkt an das Unboxing-Video, zwingt sich zu einem Lächeln und hält seinen ausgestreckten Daumen vor die Kamera. Würde sich einer von Peters Freunden das Video genau ansehen, fände er den Gesichtsausdruck sicher verstörend. Aber Peters Freunde interessieren sich nicht für Unboxing-Videos. Kein vernünftiger Mensch interessiert sich für Unboxing-Videos. Peter drückt einen Kuss auf sein neues QualityPad. Niemand begrüßt ihn freundlich, und Peter hat sofort Zugriff auf all seine Daten. Er zerknüllt sein altes QualityPad und wirft es in einen nicht zufällig bereitstehenden Mülleimer. Der Mülleimer bedankt sich und geht über die Straße auf ein kleines, dickes Mädchen zu, das gerade einen Schokoriegel auspackt. Drei selbstfahrende Autos bremsen minimal, um den Mülleimer passieren zu lassen. Peter schaut ihm geistesabwesend hinterher.

Der Touchscreen der Lieferdrohne leuchtet auf.

»Bitte bewerten Sie mich jetzt«, sagt sie.

Peter seufzt. Er gibt der Drohne zehn Sterne, weil er weiß, dass alles unter zehn Sternen unausweichlich eine Kundenumfrage nach sich ziehen würde, in der er erklären müsste, warum er nicht völlig zufrieden ist. Die Drohne surrt glücklich. Sie scheint sich über ihre Bewertung zu freuen.

»Jeden Tag eine gute Tat«, murmelt Peter.

»Ach, sagen Sie«, fragt die Drohne, »könnten Sie eventuell noch zwei Päckchen für Ihre Nachbarn annehmen?«

»Manche Dinge ändern sich nie.«